Angstverhalten

Angst beim Hund
Was dahinter steckt – und wie wir wirklich helfen können
Angst gehört zu den häufigsten Gründen, warum Hundehalterinnen und Hundehalter professionelle Unterstützung suchen. Doch Angst ist weit mehr als ein Verhaltensproblem – sie ist ein tief verwurzelter emotionaler Zustand, der neurobiologisch organisiert ist und das gesamte Erleben des Hundes prägt.
Diese Seite gibt Ihnen einen fundierten Überblick: Wie entsteht Angst im Gehirn des Hundes? Welche Formen gibt es? Was hilft wirklich – und was schadet mehr, als es nützt? Mein Ziel ist es, Ihnen nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern ein tiefes Verständnis zu schaffen, das Ihren Umgang mit Ihrem Hund grundlegend verändern kann.
1. Wie Angst im Gehirn entsteht
Angst ist keine Laune, kein Trotz und kein Erziehungsdefizit. Sie ist ein neurobiologischer Zustand, der im Nervensystem des Hundes organisiert wird – und Verhalten ist stets die Folge dieses Zustands, niemals die Ursache.
Die zentralen Hirnstrukturen
Drei Strukturen spielen beim Angstgeschehen die entscheidende Rolle:
Amygdala (Mandelkern)
Die Amygdala ist die Alarmanlage des Gehirns. Sie bewertet eingehende Reize blitzschnell auf ihre mögliche Gefährlichkeit – oft noch bevor der bewusste Teil des Gehirns überhaupt reagieren kann. Sie aktiviert Angstreaktionen unmittelbar und direkt. Bei einem traumatisierten oder chronisch ängstlichen Hund ist die Amygdala häufig dauerhaft überaktiviert: Die Alarmschwelle ist gesenkt, der Hund reagiert früher, heftiger und länger.
Hippocampus
Der Hippocampus ist für Kontext und Gedächtnis zuständig. Er verknüpft Situationen mit Erfahrungen – ein bestimmter Ort, ein Geruch, ein Geräusch kann so zur dauerhaften Gefahrenmarkierung werden. Traumatische Erlebnisse werden im Hippocampus nicht immer sachgemäß zeitlich eingeordnet, was dazu führt, dass vergangene Erfahrungen im Hier und Jetzt als real erlebt werden können.
Hypothalamus
Der Hypothalamus ist die Schaltzentrale für körperliche Stressreaktionen. Er aktiviert zwei wesentliche Systeme, sobald Gefahr signalisiert wird.
Die zwei Stresssysteme
Sobald die Amygdala Alarm schlägt, aktiviert der Hypothalamus zwei physiologische Systeme:
Das schnelle System – Sympathikus
In Sekunden werden Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet. Herzfrequenz und Muskelspannung steigen, die Aufmerksamkeit fokussiert sich scharf. Der Körper ist bereit für Kampf, Flucht oder Erstarren. Diese Reaktion ist evolutionär sinnvoll – sie rettet Leben. Im Alltag eines Haustieres jedoch, wo reale Bedrohungen selten sind, wird dieses System häufig unnötig und chronisch aktiviert.
Das langsame System – HPA-Achse
Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse schüttet Cortisol aus – das primäre Stresshormon. Cortisol mobilisiert Energiereserven, erhöht die Wachsamkeit und hemmt gleichzeitig Verdauung, Regeneration und Immunsystem. Entscheidend für die Praxis: Der Cortisolabbau dauert beim Hund 48 bis 72 Stunden. Das bedeutet, dass ein Hund nach einem Angstzustand noch tagelang neurobiologisch beeinträchtigt ist – auch wenn er äußerlich bereits ruhig wirkt.
Neurotransmitter im Überblick
Neurotransmitter | Funktion bei Angst |
Glutamat | Aktiviert Angstnetzwerke im Gehirn |
GABA | Hemmt Angst – bei Angststörungen oft reduziert |
Serotonin | Emotionale Stabilität, Impulskontrolle |
Dopamin | Motivation, Erwartung, Coping-Verhalten |
Cortisol | Langzeit-Stresshormon; beeinträchtigt Lernfähigkeit |
Adrenalin | Sofortreaktion: Herzfrequenz ↑, Muskeltonus ↑ |
Oxytocin | Bindungshormon; dämpft Amygdala, fördert Sicherheitsgefühl |
Wichtig: Chronische Angst verschiebt das gesamte System dauerhaft in Richtung Aktivierung. Die Reizschwelle sinkt, die Regulation wird schwieriger – und Lernen unter Angst ist neurobiologisch stark eingeschränkt bis unmöglich. |
Besonderheit: Das olfaktorische System des Hundes
Hunde besitzen bis zu 300 Millionen Riechrezeptoren – der Mensch hat etwa 6 Millionen. Der Riechbereich des Gehirns ist direkt mit der Amygdala verbunden. Das bedeutet: Gerüche lösen beim Hund schneller und unmittelbarer Emotionen aus als jeder andere Sinnesreiz. Angst-Pheromone anderer Hunde werden aktiv wahrgenommen und können Stress regelrecht übertragen.
2. Formen der Angst beim Hund
Angst zeigt sich nicht bei jedem Hund gleich. Die verschiedenen Formen unterscheiden sich in Auslöser, Intensität und Verlauf – und erfordern jeweils angepasste Herangehensweisen.
Reizgebundene Angst (Phobie)
Ein klar definierbarer Auslöser löst eine schnelle, intensive Angstreaktion aus. Typische Beispiele sind Geräusche wie Feuerwerk, Gewitter oder Schüsse, aber auch bestimmte Menschen, Objekte (Regenschirme, Fahrräder, Kinderwagen) oder Situationen wie der Tierarztbesuch oder das Treppensteigen. Die Reaktion kann auch durch Gerüche oder visuelle Reize ausgelöst werden, die mit dem ursprünglichen Angsterlebnis assoziiert wurden.
Unspezifische / diffuse Angst
Kein klar erkennbarer Auslöser – der Hund wirkt dauerhaft unruhig, hypervigilant und angespannt. Er ist schwer zu beruhigen, schreckt schnell auf und findet auch in bekannten Umgebungen keine echte Entspannung. Diese Form ist für Außenstehende oft schwer zu erkennen, da es keinen offensichtlichen Trigger gibt.
Generalisierte Angststörung
Viele verschiedene Situationen und Reize lösen Angst aus. Der Hund ist dauerhaft angespannt, der Cortisolspiegel chronisch erhöht. Diese Form entwickelt sich häufig aus wiederholten negativen Erfahrungen oder einer genetisch erhöhten Stressreaktivität und erfordert in aller Regel neben Verhaltensarbeit auch tierärztliche Unterstützung.
Soziale Angst
Angst vor Artgenossen, vor unbekannten Menschen oder vor bestimmten Menschentypen (z. B. Männer, Kinder, Uniformen). Soziale Angst ist häufig mit Aggression verbunden – was auf den ersten Blick wie Dominanz oder "Bösartigkeit" wirkt, ist in den meisten Fällen der Versuch des Hundes, Distanz herzustellen und sich zu schützen.
Trennungsbezogene Angst (Separationsangst)
Der Hund gerät in Panik, wenn seine Bezugsperson abwesend ist. Typische Symptome sind Zerstörungsverhalten, Lautäußerungen, Unsauberkeit oder sogar Selbstverletzung – ausschließlich in Abwesenheit der Bezugsperson. Neurobiologisch liegt hier eine Überaktivierung des Bindungssystems vor. Wichtig: Echte Separationsangst ist kein Manipulationsversuch, sondern ein echter Notfallzustand für den Hund.
Trauma-basierte Angst
Nach einmaligen oder wiederholten traumatischen Erlebnissen kann eine Dysregulation zwischen Hippocampus und Amygdala entstehen. Traumaerinnerungen werden nicht als vergangen abgespeichert, sondern können durch Trigger in der Gegenwart als unmittelbar bedrohlich reaktiviert werden – ähnlich wie Flashbacks beim Menschen. Selbst scheinbar harmlose Reize können dann intensive Angstreaktionen auslösen.
Altersbedingte Angst
Bei älteren Hunden kann kognitive Dysfunktion (vergleichbar mit Demenz) zu Desorientierung, Verwirrung und daraus resultierender Angst führen. Besonders häufig sind nächtliche Unruhe, Vokalisation und scheinbar unmotivierte Angstreaktionen.
3. Ursachen – warum Hunde ängstlich werden
Angst beim Hund entsteht selten durch eine einzige Ursache. In der Regel wirken genetische Faktoren, frühe Erfahrungen und aktuelle Lebensbedingungen zusammen. Verhalten ohne Berücksichtigung dieser Ebenen zu beurteilen, ist fachlich unzureichend.
Genetik und Epigenetik
Die individuelle Stressreaktivität ist zum Teil genetisch bedingt. Bestimmte Rassen zeigen statistisch erhöhte Angstbereitschaft – diese Beobachtungen müssen jedoch stets im individuellen Kontext interpretiert werden. Zudem beeinflusst mütterlicher Stress während der Trächtigkeit über epigenetische Mechanismen die Stressachse der Welpen – noch bevor diese die Welt erblickt haben.
Sozialisationsphase
Die Wochen zwischen der dritten und zwölften Lebenswoche sind die prägendste Phase im Leben eines Hundes. Was in dieser Zeit nicht positiv erlebt wird, kann dauerhaft angstbesetzt bleiben. Gleichzeitig ist Überforderung in dieser Phase ebenso schädlich wie Deprivation. Mangelhafte, einseitige oder traumatische Sozialisation ist eine der häufigsten Ursachen für spätere Angststörungen.
Traumatische Erfahrungen
Die Amygdala lernt außerordentlich schnell und nachhaltig. Ein einzelnes traumatisches Erlebnis kann ausreichen, um eine lebenslange Phobie zu etablieren. Körperliche Bestrafung, Überflutung, Schmerz oder Schreckerlebnisse hinterlassen neurobiologische Spuren, die ohne gezielte Intervention nicht von selbst verblassen.
Chronischer Stress und Haltungsbedingungen
Dauerhafter Stress durch zu wenig Bewegung, soziale Isolation, Reizarmut oder -überflutung, mangelnde Ruhephasen oder unvorhersehbare Umgebungen erhöht den basalen Cortisolspiegel und senkt die Reizschwelle. Der Hund wird reaktiver, ist schwerer zu regulieren und lernt schlechter.
Gesundheitliche Faktoren
Schmerz ist eine der am häufigsten übersehenen Ursachen für Angst und Aggression. Auch Schilddrüsenerkrankungen, neurologische Erkrankungen und hormonelle Veränderungen können das Verhalten erheblich beeinflussen. Jede Verhaltensveränderung sollte daher zunächst tierärztlich abgeklärt werden, bevor verhaltenstherapeutisch gearbeitet wird.
4. Körpersprache – was der Hund uns mitteilt
Hunde kommunizieren kontinuierlich. Wer lernt, die Signale zu lesen, kann frühzeitig erkennen, wann ein Hund an seine Grenzen stößt – lange bevor es zur Eskalation kommt.
Frühe Stresssignale (oft übersehen)
- Gähnen außerhalb von Müdigkeit
- Lecken über die Nase (Zungenzeigen)
- Blinzeln, Blick abwenden
- Körper oder Kopf abwenden
- Beschleunigtes Hecheln ohne körperliche Anstrengung
- Schütteln als wäre der Hund nass
Mittlere Stresssignale
- Ohren angelegt oder seitlich
- Schwanz eingezogen oder starr
- Nackenhaare aufgestellt (Piloerektion)
- Körperhaltung geduckt oder erstarrt (Freeze)
- Zittern, Speichelfluss
- Aufmerksamkeit fixiert auf den Auslöser
Hohe Erregung / Eskalation
- Flüchten
- Erstarren
- Herumkaspern (sieht oft aus wie freude, ist aber keine)
- Knurren – ein wichtiges Warnsignal, das niemals bestraft werden sollte
- Zähne zeigen
- Schnappen in die Luft
- Beißen
Hinweis: Aggression ist häufig kein Primärproblem, sondern die letzte verfügbare Strategie eines Hundes, der keine anderen Optionen mehr sieht. Wer Knurren oder Zähnezeigen bestraft, entfernt die Warnsignale – nicht die Angst. Das Ergebnis sind Hunde, die ohne Vorwarnung beißen. |
Calming Signals
Der norwegischen Hundetrainerin Turid Rugaas verdanken wir die systematische Beschreibung sogenannter Calming Signals – Beschwichtigungsgesten, mit denen Hunde aktiv kommunizieren, dass sie Stress erleben oder deeskalieren möchten. Dazu zählen unter anderem Gähnen, Blinzeln, langsames Anschleichen und das Abwenden des Körpers. Werden diese Signale vom Menschen ignoriert, eskaliert das Verhalten in der Regel weiter.
5. Umgang in der Praxis
Der Umgang mit einem ängstlichen Hund erfordert vor allem eines: Verständnis dafür, dass Angst kein willentlicher Entschluss ist. Kein Hund entscheidet sich, ängstlich zu sein – und kein Hund kann sich auf Kommando beruhigen.
Sicherheit als Grundvoraussetzung
Jede Form von Lernprozess setzt voraus, dass der Hund sich sicher fühlt. Solange das Stresssystem aktiv ist, ist die Lernfähigkeit neurobiologisch stark eingeschränkt. Der erste Schritt ist daher immer, Auslöser zu kontrollieren, Abstand zum Trigger herzustellen und den Hund nicht zu überfordern.
Vorhersehbarkeit und Struktur
Ein strukturierter, vorhersehbarer Tagesablauf senkt den basalen Cortisolspiegel erheblich. Wenn ein Hund weiß, was als nächstes kommt, muss er weniger antizipieren und kontrollieren. Klare Routinen sind für ängstliche Hunde oft wichtiger als gezieltes Training.
Souveräne, ruhige Präsenz des Menschen
Hunde sind hochsensible Leser menschlicher Emotionen. Studien belegen, dass sich Cortisolspiegel zwischen Mensch und Hund synchronisieren können. Wer selbst nervös, mitleidig oder aufgewühlt reagiert, signalisiert dem Hund unwillkürlich: "Deine Einschätzung ist korrekt – das ist gefährlich."
Hilfreicher ist eine ruhige, gelassene und souveräne Präsenz – ohne die Angst zu bestätigen, aber auch ohne den Hund zu ignorieren. Wenn Zuwendung gegeben wird, dann ruhig, entspannt und ohne übertriebene Aufmerksamkeit auf den Angstreiz. Der Mensch funktioniert dabei als Co-Regulator: Seine Ruhe überträgt sich auf das Nervensystem des Hundes.
Bewegungsfreiheit und Handlungsoptionen
Ein Hund, dem Flucht oder Rückzug verwehrt wird, hat keine andere Wahl als zu eskalieren. Körperliche Fixierung, Zwang oder das Festhalten in Angstsituationen erhöht den Stress massiv und zerstört Vertrauen. Hunde, die Handlungsoptionen haben, sind in der Lage, eigenständig zu regulieren und erleben dadurch Selbstwirksamkeit.
Erholung ermöglichen
Angesichts des langen Cortisolabbaus ist aktive Erholungszeit kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Ruhige Aktivitäten, Schnüffeln, unstrukturiertes Erkunden und ausreichend Schlaf helfen dem Nervensystem, sich zu regenerieren. In stressreichen Phasen sollten Trainingseinheiten reduziert und der Gesamtstress gesenkt werden.
6. Training und Therapie
Angststörungen beim Hund sind behandelbar – aber sie brauchen Zeit, Konsequenz und das richtige Vorgehen. Schnelle Lösungen gibt es nicht, und sie wären auch nicht nachhaltig.
Desensibilisierung
Der Angstreiz wird in sehr niedriger Intensität eingeführt – so gering, dass der Hund keine Angstreaktion zeigt. Über lange Zeit wird die Intensität sehr langsam gesteigert. Jeder Schritt über die Reizschwelle bedeutet ein neues Angsterlebnis und macht den Prozess zunichte. Geduld ist hier keine Tugend, sondern fachliche Notwendigkeit.
Gegenkonditionierung
Gleichzeitig mit dem Angstreiz wird etwas positiv Besetztes eingeführt – hochwertiges Futter, Spiel oder soziale Zuwendung. Ziel ist es, eine neue emotionale Assoziation in der Amygdala zu verankern: Aus "Gefahr" wird "Vorfreude". Desensibilisierung und Gegenkonditionierung werden in der Praxis kombiniert angewendet und gelten als Goldstandard der Angsttherapie.
Selbstwirksamkeit fördern
Ängstliche Hunde haben oft gelernt, dass ihre eigenen Handlungen keinen Einfluss auf ihre Situation haben. Training, das dem Hund echte Handlungsoptionen gibt und seine Entscheidungen respektiert, stärkt das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit – eine entscheidende Grundlage für langfristige Stabilität.
Medikamentöse Unterstützung
Bei mittelschweren bis schweren Angststörungen ist Verhaltenstherapie alleine häufig nicht ausreichend. Medikamente senken den Erregungslevel so weit, dass Lernen überhaupt erst möglich wird – sie ersetzen jedoch niemals die Verhaltensarbeit.
Wirkstoffgruppe | Typischer Einsatzbereich |
SSRIs (z. B. Fluoxetin) | Generalisierte Angst, Separationsangst (Langzeit) |
Trizyklika (z. B. Clomipramin) | Separationsangst, Zwangsverhalten |
Gabapentin | Situative Angst, Schmerz, Überreizung |
Benzodiazepine | Akute Situationen (z. B. Gewitter) – kurzfristig |
SILEO (Dexmedetomidin) | Geräuschphobie akut, zugelassen für Hunde |
Adaptil (DAP) | Supportiv bei milder Angst, Welpen |
Wichtig: Medikamentöse Behandlung sollte stets in Absprache mit einem erfahrenen Tierarzt oder Tierpsychiater erfolgen. Das Ziel ist die Wiederherstellung der Lernfähigkeit – nicht das Ruhigstellen des Tieres. |
7. Häufige Fehler im Umgang mit ängstlichen Hunden
Konfrontation ("Da muss er durch")
Den Hund dem Maximum des Angstauslösers auszusetzen, in der Hoffnung, dass er "lernt, damit umzugehen", ist einer der schädlichsten Ansätze. Neurobiologisch entsteht dabei nicht Gewöhnung, sondern erlernte Hilflosigkeit – ein Zustand, in dem der Hund aufgehört hat zu reagieren, weil jede Reaktion wirkungslos war. Das Trauma wird verstärkt, das Vertrauen dauerhaft beschädigt.
Bestrafung von Angstverhalten
Knurren, Zähnezeigen oder Rückzug zu bestrafen, entfernt das Warnsignal – nicht die Angst. Der Hund lernt: Warnen ist gefährlich. Das Ergebnis sind Tiere, die ohne Vorwarnung eskalieren. Gleichzeitig erhöht jede Strafe den Cortisolspiegel und verstärkt damit neurobiologisch genau den Zustand, den man überwinden möchte.
Zu schnelle Trainingsschritte
Wenn der Hund in einer Trainingseinheit Angst zeigt, wurde die Reizschwelle überschritten. Jeder Schritt oberhalb der Schwelle ist kein "Training", sondern ein weiteres Angsterlebnis. Die häufigste Ursache für scheiternde Desensibilisierungen ist schlicht zu viel Tempo.
Gehorsamkeitstraining als Lösung
"Sitz" auf Kommando überdeckt Angst kurzfristig – sie löst sie nicht. Ein Hund, der auf Kommando funktioniert, aber emotional nicht stabilisiert wird, entwickelt weiterhin Angst. Die emotionale Grundlage muss verändert werden, nicht nur das sichtbare Verhalten.
Ignorieren von Stresssignalen
Frühe Signale wie Gähnen, Lecken oder Wegsehen zu übergehen, nimmt dem Hund die Möglichkeit der Kommunikation. Der nächste Schritt in der Eskalationsleiter folgt zwangsläufig. Wer die leisen Signale ernst nimmt, verhindert, dass der Hund lautere Mittel einsetzen muss.
8. Verbreitete Mythen – und was wirklich stimmt
"Trösten verstärkt die Angst"
Dieser Satz ist in dieser Form zu pauschal. Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern wie man reagiert. Aufgeregte, mitleidige oder nervöse Zuwendung kann über Stimmungsübertragung die Angst verstärken – der Hund liest die Besorgnis des Menschen als Bestätigung der Gefahr. Ruhige, gelassene Nähe hingegen wirkt über das Oxytocinsystem beruhigend und senkt Cortisol. Die Qualität der Reaktion ist entscheidend, nicht das bloße "Eingehen" auf den Hund.
"Das wächst sich raus"
Ohne gezielte Intervention werden Angststörungen in der Regel nicht besser – sie verstärken sich. Mit jedem Angsterlebnis festigt die Amygdala die bestehenden Reaktionsmuster. Frühzeitiges Handeln ist fast immer leichter und effektiver als das Warten auf eine Besserung, die ohne Unterstützung selten eintritt.
"Der Hund ist dominant / will mich testen"
Die Dominanztheorie als Erklärungsmodell für Angst und Aggression ist wissenschaftlich längst überholt. Ängstliches oder aggressives Verhalten ist in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle Ausdruck von Unsicherheit, nicht von Machtstreben. Maßnahmen, die auf Unterordnung durch Druck setzen, erhöhen den Cortisolspiegel und verschlimmern das Problem.
"Ängstliche Hunde brauchen keine Konfrontation mit dem Auslöser"
Konsequente Vermeidung ohne begleitende Therapie führt zu Generalisierung: Die Angst weitet sich aus, die Auslöser werden mehr und die Reizschwelle sinkt weiter. Das Ziel ist nicht Konfrontation, aber auch nicht dauerhafte Vermeidung – sondern dosierte, positive Exposition im therapeutischen Rahmen.
"Angst ist ein Erziehungsproblem"
Angststörungen sind neurobiologische Zustände – sie entstehen nicht durch falsche Erziehung allein und lassen sich nicht durch härtere Konsequenz beheben. Sie erfordern ein therapeutisches Vorgehen, das die emotionale Grundlage verändert, nicht nur das äußere Verhalten.
Was bedeutet das für unsere Zusammenarbeit?
Wenn Sie mit einem ängstlichen Hund zu mir kommen, beginnen wir mit einem ausführlichen Gespräch über Vorgeschichte, Auslöser, bisherige Erfahrungen und Ihre eigenen Beobachtungen. Ich schaue mir Ihren Hund genau an – nicht um ihn zu bewerten, sondern um zu verstehen.
Auf dieser Grundlage entwickeln wir gemeinsam einen individuellen Plan, der Ihrem Hund als Individuum gerecht wird. Verhalten ist immer Ausdruck eines inneren Zustands – meine Arbeit gilt diesem Zustand, nicht nur dem, was man von außen sieht.
Mein Ansatz
Training bedeutet für mich: Anpassung von Umwelt und Lernprozessen. Hunde, die sich sicher fühlen, lernen. Hunde, die Vertrauen haben, entspannen. Und Hunde, die verstanden werden, brauchen selten lautere Mittel.
Bei Fragen oder wenn Sie Unterstützung für Ihren Hund suchen, freue ich mich über Ihre Nachricht.
Weiterführende Informationen zum Thema Angst beim Hund finden Sie auf den entsprechenden Seiten meiner Website:
Weiterführende Links:
Ein sehr guter Artikel von Tierarzt Dr. Rückert, zur richtigen, medikamentösen Behandlung der Silvesterangs bei Hunden und der Empfehlung eines guten Hausmittels:
https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=21116
Was tun bei Silvesterangst? Dieser Tierarzt hat hilfreiche Ratschläge:
https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=20543
Körpersprache des Hundes bei Angst - drsophiayin.com
drsophiayin.com/app/uploads/2013/02/SYBodyLanguagePosterDownloadablegerman.pdf
Wie ängstliche Hunde Situationen empfinden:
Stress bei Hunden, Artikel von Tierärztin Sophie Strodtbeck:
http://www.wuff.eu/wp/stress-bei-hunden-verhaltensstoerungen-gegenmassnahmen/
http://www.wuff.eu/wp/stress-beim-hund-reaktionstypen-und-stressfolgen/
Stress bei Hunden Teil 1 + 2:
Neue Erkenntnisse über Trennungsangst bei Hunden:
http://dogsinthecity.at/blog/neue-erkenntnisse-%C3%BCber-trennungsangst-bei-hunden
Video über Signale von Angsthunden und richtigem Umgang:
Trennungsangst und Trennungsstress beim Hund:
http://www.cumcane-familiari.ch/menschen-hunde-wissen/trennungsstress/?mobile=1
Angst beim Hund Teil 1-3:
http://hundemagazin.ch/angst-beim-hund-teil-13/
http://hundemagazin.ch/angst-beim-hund-teil-23/
http://hundemagazin.ch/angst-beim-hund-teil-33/
http://hundemagazin.ch/wp-content/uploads/2013/12/18-21_angst_t1.pdf
http://hundemagazin.ch/wp-content/uploads/2013/12/28-31_angst_t2.pdf
http://hundemagazin.ch/wp-content/uploads/2013/12/32-35_angst_t3.pdf
Geräuschangst bei Hunden:
http://www.easy-dogs.net/home/blog/training/heike_benzing/silvester_benzing.html
Erlernte Hilflosigkeit:
Teil 1: http://friendshipfordogs.wordpress.com/2013/09/01/erlernte-hilflosigkeit%E2%80%AC-teil-1/
Teil 2: http://friendshipfordogs.com/2013/11/05/erlernte-hilflosigkeit%E2%80%AC-teil-2/
Hier ein Beispiel für extreme "erlernte Hilflosigkeit" bei einem Hund in einer Zirkusnummer mit Loriot. Der Hund ist so eingeschüchtert und verängstigt, das er in einem Zustand des eingefroren seins (Freezing) alles über sich ergehen lässt. Besonders pervers, weil die Zuschauer und der Star der sich für die Nummer hergibt, die Qual und Mißhandlung nicht erkennen und das ganze auch noch für witzig halten:
https://www.youtube.com/watch?v=dPcZJsDmqCY
Ich vermute hier wurde mit Elektoschocks gearbeitet. Loriot hat die Nummer einfach nur übernommen und die vorige "Ausbildung" des Hundes nicht mitbekommen, er dachte wohl der Hund wäre von sich aus so.
Leider ist auch dies hier gar nicht lustig. Auch ein Video mit einer extremen Form der "Elernten Hilflosigkeit", dieser Hund hat Todesangst, ohne das seine Menschen es merken:
https://www.youtube.com/watch?v=761sw1pcxIo
Suchhundetraining ist auch eine Möglichkeit Hunde aufzubauen.
Tipps bei Silvesterangst:
http://www.atn-ag.de/magazin/redaktionelles/silvesterangst-bei-hunden-hilfe-in-letzter-minute
Silvesterangst, gute Ratschläge zu Vorbeugung und Therapie:
http://www.sitzplatzfuss.com/entspanntes-silvester/
Ernährung von ängstlichen, aggressiven, “schwierigen” Hunden
http://www.diehundephilosophin.de/blog/aggression/ernahrung-von-angstlichen-aggressiven-schwierigen-hunden/?fb_action_ids=544298518969504&fb_action_types=og.likes
Der Einfluß der Ernährung auf das Verhalten von Hunden:
http://hundemagazin.ch/brainfood-fuer-hunde-der-einfluss-der-ernaehrung-auf-das-verhalten-2/
Auch Wölfe trösten sich:
http://einzelfelle.de/konfliktmanagement.html
Die Körpersprache der Furcht, wenn diese Signale des Hundes nicht beachtet werden, kann es zu Abwehrreaktionen (Bisse) kommen.
Die meisten aggressiven Verhaltensweisen beim Hund entstehen aus Angst:
https://www.youtube.com/watch?v=Fq1LdD4MJnk
https://www.youtube.com/watch?v=RmVztpNiOCw
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Quelle: JuraForum.de-Disclaimer | Online PR mit connektar.de



