Angstverhalten

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"Gehe nicht hinter mir, vielleicht führe ich nicht.

Gehe nicht vor mir, vielleicht folge ich nicht.

Geh einfach neben mir und sei mein Freund."

Albert Camus

Angst beim Hund

Was dahinter steckt – und wie wir wirklich helfen können

Angst gehört zu den häufigsten Gründen, warum Hundehalterinnen und Hundehalter professionelle Unterstützung suchen. Doch Angst ist weit mehr als ein Verhaltensproblem – sie ist ein tief verwurzelter emotionaler Zustand, der neurobiologisch organisiert ist und das gesamte Erleben des Hundes prägt.

 

Diese Seite gibt Ihnen einen fundierten Überblick: Wie entsteht Angst im Gehirn des Hundes? Welche Formen gibt es? Was hilft wirklich – und was schadet mehr, als es nützt? Mein Ziel ist es, Ihnen nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern ein tiefes Verständnis zu schaffen, das Ihren Umgang mit Ihrem Hund grundlegend verändern kann.

1. Wie Angst im Gehirn entsteht

Angst ist keine Laune, kein Trotz und kein Erziehungsdefizit. Sie ist ein neurobiologischer Zustand, der im Nervensystem des Hundes organisiert wird – und Verhalten ist stets die Folge dieses Zustands, niemals die Ursache.

 

Die zentralen Hirnstrukturen

Drei Strukturen spielen beim Angstgeschehen die entscheidende Rolle:

 

Amygdala (Mandelkern)

Die Amygdala ist die Alarmanlage des Gehirns. Sie bewertet eingehende Reize blitzschnell auf ihre mögliche Gefährlichkeit – oft noch bevor der bewusste Teil des Gehirns überhaupt reagieren kann. Sie aktiviert Angstreaktionen unmittelbar und direkt. Bei einem traumatisierten oder chronisch ängstlichen Hund ist die Amygdala häufig dauerhaft überaktiviert: Die Alarmschwelle ist gesenkt, der Hund reagiert früher, heftiger und länger.

 

Hippocampus

Der Hippocampus ist für Kontext und Gedächtnis zuständig. Er verknüpft Situationen mit Erfahrungen – ein bestimmter Ort, ein Geruch, ein Geräusch kann so zur dauerhaften Gefahrenmarkierung werden. Traumatische Erlebnisse werden im Hippocampus nicht immer sachgemäß zeitlich eingeordnet, was dazu führt, dass vergangene Erfahrungen im Hier und Jetzt als real erlebt werden können.

 

Hypothalamus

Der Hypothalamus ist die Schaltzentrale für körperliche Stressreaktionen. Er aktiviert zwei wesentliche Systeme, sobald Gefahr signalisiert wird.

 

Die zwei Stresssysteme

Sobald die Amygdala Alarm schlägt, aktiviert der Hypothalamus zwei physiologische Systeme:

 

Das schnelle System – Sympathikus

In Sekunden werden Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet. Herzfrequenz und Muskelspannung steigen, die Aufmerksamkeit fokussiert sich scharf. Der Körper ist bereit für Kampf, Flucht oder Erstarren. Diese Reaktion ist evolutionär sinnvoll – sie rettet Leben. Im Alltag eines Haustieres jedoch, wo reale Bedrohungen selten sind, wird dieses System häufig unnötig und chronisch aktiviert.

 

Das langsame System – HPA-Achse

Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse schüttet Cortisol aus – das primäre Stresshormon. Cortisol mobilisiert Energiereserven, erhöht die Wachsamkeit und hemmt gleichzeitig Verdauung, Regeneration und Immunsystem. Entscheidend für die Praxis: Der Cortisolabbau dauert beim Hund 48 bis 72 Stunden. Das bedeutet, dass ein Hund nach einem Angstzustand noch tagelang neurobiologisch beeinträchtigt ist – auch wenn er äußerlich bereits ruhig wirkt.

 

Neurotransmitter im Überblick

 

Neurotransmitter

Funktion bei Angst

Glutamat

Aktiviert Angstnetzwerke im Gehirn

GABA

Hemmt Angst – bei Angststörungen oft reduziert

Serotonin

Emotionale Stabilität, Impulskontrolle

Dopamin

Motivation, Erwartung, Coping-Verhalten

Cortisol

Langzeit-Stresshormon; beeinträchtigt Lernfähigkeit

Adrenalin

Sofortreaktion: Herzfrequenz ↑, Muskeltonus ↑

Oxytocin

Bindungshormon; dämpft Amygdala, fördert Sicherheitsgefühl

 

Wichtig: Chronische Angst verschiebt das gesamte System dauerhaft in Richtung Aktivierung. Die Reizschwelle sinkt, die Regulation wird schwieriger – und Lernen unter Angst ist neurobiologisch stark eingeschränkt bis unmöglich.

 

Besonderheit: Das olfaktorische System des Hundes

Hunde besitzen bis zu 300 Millionen Riechrezeptoren – der Mensch hat etwa 6 Millionen. Der Riechbereich des Gehirns ist direkt mit der Amygdala verbunden. Das bedeutet: Gerüche lösen beim Hund schneller und unmittelbarer Emotionen aus als jeder andere Sinnesreiz. Angst-Pheromone anderer Hunde werden aktiv wahrgenommen und können Stress regelrecht übertragen.

2. Formen der Angst beim Hund

Angst zeigt sich nicht bei jedem Hund gleich. Die verschiedenen Formen unterscheiden sich in Auslöser, Intensität und Verlauf – und erfordern jeweils angepasste Herangehensweisen.

 

Reizgebundene Angst (Phobie)

Ein klar definierbarer Auslöser löst eine schnelle, intensive Angstreaktion aus. Typische Beispiele sind Geräusche wie Feuerwerk, Gewitter oder Schüsse, aber auch bestimmte Menschen, Objekte (Regenschirme, Fahrräder, Kinderwagen) oder Situationen wie der Tierarztbesuch oder das Treppensteigen. Die Reaktion kann auch durch Gerüche oder visuelle Reize ausgelöst werden, die mit dem ursprünglichen Angsterlebnis assoziiert wurden.

 

Unspezifische / diffuse Angst

Kein klar erkennbarer Auslöser – der Hund wirkt dauerhaft unruhig, hypervigilant und angespannt. Er ist schwer zu beruhigen, schreckt schnell auf und findet auch in bekannten Umgebungen keine echte Entspannung. Diese Form ist für Außenstehende oft schwer zu erkennen, da es keinen offensichtlichen Trigger gibt.

 

Generalisierte Angststörung

Viele verschiedene Situationen und Reize lösen Angst aus. Der Hund ist dauerhaft angespannt, der Cortisolspiegel chronisch erhöht. Diese Form entwickelt sich häufig aus wiederholten negativen Erfahrungen oder einer genetisch erhöhten Stressreaktivität und erfordert in aller Regel neben Verhaltensarbeit auch tierärztliche Unterstützung.

 

Soziale Angst

Angst vor Artgenossen, vor unbekannten Menschen oder vor bestimmten Menschentypen (z. B. Männer, Kinder, Uniformen). Soziale Angst ist häufig mit Aggression verbunden – was auf den ersten Blick wie Dominanz oder "Bösartigkeit" wirkt, ist in den meisten Fällen der Versuch des Hundes, Distanz herzustellen und sich zu schützen.

 

Trennungsbezogene Angst (Separationsangst)

Der Hund gerät in Panik, wenn seine Bezugsperson abwesend ist. Typische Symptome sind Zerstörungsverhalten, Lautäußerungen, Unsauberkeit oder sogar Selbstverletzung – ausschließlich in Abwesenheit der Bezugsperson. Neurobiologisch liegt hier eine Überaktivierung des Bindungssystems vor. Wichtig: Echte Separationsangst ist kein Manipulationsversuch, sondern ein echter Notfallzustand für den Hund.

 

Trauma-basierte Angst

Nach einmaligen oder wiederholten traumatischen Erlebnissen kann eine Dysregulation zwischen Hippocampus und Amygdala entstehen. Traumaerinnerungen werden nicht als vergangen abgespeichert, sondern können durch Trigger in der Gegenwart als unmittelbar bedrohlich reaktiviert werden – ähnlich wie Flashbacks beim Menschen. Selbst scheinbar harmlose Reize können dann intensive Angstreaktionen auslösen.

 

Altersbedingte Angst

Bei älteren Hunden kann kognitive Dysfunktion (vergleichbar mit Demenz) zu Desorientierung, Verwirrung und daraus resultierender Angst führen. Besonders häufig sind nächtliche Unruhe, Vokalisation und scheinbar unmotivierte Angstreaktionen.

3. Ursachen – warum Hunde ängstlich werden

Angst beim Hund entsteht selten durch eine einzige Ursache. In der Regel wirken genetische Faktoren, frühe Erfahrungen und aktuelle Lebensbedingungen zusammen. Verhalten ohne Berücksichtigung dieser Ebenen zu beurteilen, ist fachlich unzureichend.

 

Genetik und Epigenetik

Die individuelle Stressreaktivität ist zum Teil genetisch bedingt. Bestimmte Rassen zeigen statistisch erhöhte Angstbereitschaft – diese Beobachtungen müssen jedoch stets im individuellen Kontext interpretiert werden. Zudem beeinflusst mütterlicher Stress während der Trächtigkeit über epigenetische Mechanismen die Stressachse der Welpen – noch bevor diese die Welt erblickt haben.

 

Sozialisationsphase

Die Wochen zwischen der dritten und zwölften Lebenswoche sind die prägendste Phase im Leben eines Hundes. Was in dieser Zeit nicht positiv erlebt wird, kann dauerhaft angstbesetzt bleiben. Gleichzeitig ist Überforderung in dieser Phase ebenso schädlich wie Deprivation. Mangelhafte, einseitige oder traumatische Sozialisation ist eine der häufigsten Ursachen für spätere Angststörungen.

 

Traumatische Erfahrungen

Die Amygdala lernt außerordentlich schnell und nachhaltig. Ein einzelnes traumatisches Erlebnis kann ausreichen, um eine lebenslange Phobie zu etablieren. Körperliche Bestrafung, Überflutung, Schmerz oder Schreckerlebnisse hinterlassen neurobiologische Spuren, die ohne gezielte Intervention nicht von selbst verblassen.

 

Chronischer Stress und Haltungsbedingungen

Dauerhafter Stress durch zu wenig Bewegung, soziale Isolation, Reizarmut oder -überflutung, mangelnde Ruhephasen oder unvorhersehbare Umgebungen erhöht den basalen Cortisolspiegel und senkt die Reizschwelle. Der Hund wird reaktiver, ist schwerer zu regulieren und lernt schlechter.

 

Gesundheitliche Faktoren

Schmerz ist eine der am häufigsten übersehenen Ursachen für Angst und Aggression. Auch Schilddrüsenerkrankungen, neurologische Erkrankungen und hormonelle Veränderungen können das Verhalten erheblich beeinflussen. Jede Verhaltensveränderung sollte daher zunächst tierärztlich abgeklärt werden, bevor verhaltenstherapeutisch gearbeitet wird.

4. Körpersprache – was der Hund uns mitteilt

Hunde kommunizieren kontinuierlich. Wer lernt, die Signale zu lesen, kann frühzeitig erkennen, wann ein Hund an seine Grenzen stößt – lange bevor es zur Eskalation kommt.

 

Frühe Stresssignale (oft übersehen)

  • Gähnen außerhalb von Müdigkeit
  • Lecken über die Nase (Zungenzeigen)
  • Blinzeln, Blick abwenden
  • Körper oder Kopf abwenden
  • Beschleunigtes Hecheln ohne körperliche Anstrengung
  • Schütteln als wäre der Hund nass

 

Mittlere Stresssignale

  • Ohren angelegt oder seitlich
  • Schwanz eingezogen oder starr
  • Nackenhaare aufgestellt (Piloerektion)
  • Körperhaltung geduckt oder erstarrt (Freeze)
  • Zittern, Speichelfluss
  • Aufmerksamkeit fixiert auf den Auslöser

 

Hohe Erregung / Eskalation

  • Flüchten
  • Erstarren
  • Herumkaspern (sieht oft aus wie freude, ist aber keine)
  • Knurren – ein wichtiges Warnsignal, das niemals bestraft werden sollte
  • Zähne zeigen
  • Schnappen in die Luft
  • Beißen

 

Hinweis: Aggression ist häufig kein Primärproblem, sondern die letzte verfügbare Strategie eines Hundes, der keine anderen Optionen mehr sieht. Wer Knurren oder Zähnezeigen bestraft, entfernt die Warnsignale – nicht die Angst. Das Ergebnis sind Hunde, die ohne Vorwarnung beißen.

 

Calming Signals

Der norwegischen Hundetrainerin Turid Rugaas verdanken wir die systematische Beschreibung sogenannter Calming Signals – Beschwichtigungsgesten, mit denen Hunde aktiv kommunizieren, dass sie Stress erleben oder deeskalieren möchten. Dazu zählen unter anderem Gähnen, Blinzeln, langsames Anschleichen und das Abwenden des Körpers. Werden diese Signale vom Menschen ignoriert, eskaliert das Verhalten in der Regel weiter.

5. Umgang in der Praxis

Der Umgang mit einem ängstlichen Hund erfordert vor allem eines: Verständnis dafür, dass Angst kein willentlicher Entschluss ist. Kein Hund entscheidet sich, ängstlich zu sein – und kein Hund kann sich auf Kommando beruhigen.

 

Sicherheit als Grundvoraussetzung

Jede Form von Lernprozess setzt voraus, dass der Hund sich sicher fühlt. Solange das Stresssystem aktiv ist, ist die Lernfähigkeit neurobiologisch stark eingeschränkt. Der erste Schritt ist daher immer, Auslöser zu kontrollieren, Abstand zum Trigger herzustellen und den Hund nicht zu überfordern.

 

Vorhersehbarkeit und Struktur

Ein strukturierter, vorhersehbarer Tagesablauf senkt den basalen Cortisolspiegel erheblich. Wenn ein Hund weiß, was als nächstes kommt, muss er weniger antizipieren und kontrollieren. Klare Routinen sind für ängstliche Hunde oft wichtiger als gezieltes Training.

 

Souveräne, ruhige Präsenz des Menschen

Hunde sind hochsensible Leser menschlicher Emotionen. Studien belegen, dass sich Cortisolspiegel zwischen Mensch und Hund synchronisieren können. Wer selbst nervös, mitleidig oder aufgewühlt reagiert, signalisiert dem Hund unwillkürlich: "Deine Einschätzung ist korrekt – das ist gefährlich."

 

Hilfreicher ist eine ruhige, gelassene und souveräne Präsenz – ohne die Angst zu bestätigen, aber auch ohne den Hund zu ignorieren. Wenn Zuwendung gegeben wird, dann ruhig, entspannt und ohne übertriebene Aufmerksamkeit auf den Angstreiz. Der Mensch funktioniert dabei als Co-Regulator: Seine Ruhe überträgt sich auf das Nervensystem des Hundes.

 

Bewegungsfreiheit und Handlungsoptionen

Ein Hund, dem Flucht oder Rückzug verwehrt wird, hat keine andere Wahl als zu eskalieren. Körperliche Fixierung, Zwang oder das Festhalten in Angstsituationen erhöht den Stress massiv und zerstört Vertrauen. Hunde, die Handlungsoptionen haben, sind in der Lage, eigenständig zu regulieren und erleben dadurch Selbstwirksamkeit.

 

Erholung ermöglichen

Angesichts des langen Cortisolabbaus ist aktive Erholungszeit kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Ruhige Aktivitäten, Schnüffeln, unstrukturiertes Erkunden und ausreichend Schlaf helfen dem Nervensystem, sich zu regenerieren. In stressreichen Phasen sollten Trainingseinheiten reduziert und der Gesamtstress gesenkt werden.

6. Training und Therapie

Angststörungen beim Hund sind behandelbar – aber sie brauchen Zeit, Konsequenz und das richtige Vorgehen. Schnelle Lösungen gibt es nicht, und sie wären auch nicht nachhaltig.

 

Desensibilisierung

Der Angstreiz wird in sehr niedriger Intensität eingeführt – so gering, dass der Hund keine Angstreaktion zeigt. Über lange Zeit wird die Intensität sehr langsam gesteigert. Jeder Schritt über die Reizschwelle bedeutet ein neues Angsterlebnis und macht den Prozess zunichte. Geduld ist hier keine Tugend, sondern fachliche Notwendigkeit.

 

Gegenkonditionierung

Gleichzeitig mit dem Angstreiz wird etwas positiv Besetztes eingeführt – hochwertiges Futter, Spiel oder soziale Zuwendung. Ziel ist es, eine neue emotionale Assoziation in der Amygdala zu verankern: Aus "Gefahr" wird "Vorfreude". Desensibilisierung und Gegenkonditionierung werden in der Praxis kombiniert angewendet und gelten als Goldstandard der Angsttherapie.

 

Selbstwirksamkeit fördern

Ängstliche Hunde haben oft gelernt, dass ihre eigenen Handlungen keinen Einfluss auf ihre Situation haben. Training, das dem Hund echte Handlungsoptionen gibt und seine Entscheidungen respektiert, stärkt das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit – eine entscheidende Grundlage für langfristige Stabilität.

 

Medikamentöse Unterstützung

Bei mittelschweren bis schweren Angststörungen ist Verhaltenstherapie alleine häufig nicht ausreichend. Medikamente senken den Erregungslevel so weit, dass Lernen überhaupt erst möglich wird – sie ersetzen jedoch niemals die Verhaltensarbeit.

 

Wirkstoffgruppe

Typischer Einsatzbereich

SSRIs (z. B. Fluoxetin)

Generalisierte Angst, Separationsangst (Langzeit)

Trizyklika (z. B. Clomipramin)

Separationsangst, Zwangsverhalten

Gabapentin

Situative Angst, Schmerz, Überreizung

Benzodiazepine

Akute Situationen (z. B. Gewitter) – kurzfristig

SILEO (Dexmedetomidin)

Geräuschphobie akut, zugelassen für Hunde

Adaptil (DAP)

Supportiv bei milder Angst, Welpen

 

Wichtig: Medikamentöse Behandlung sollte stets in Absprache mit einem erfahrenen Tierarzt oder Tierpsychiater erfolgen. Das Ziel ist die Wiederherstellung der Lernfähigkeit – nicht das Ruhigstellen des Tieres.

 

7. Häufige Fehler im Umgang mit ängstlichen Hunden

Konfrontation ("Da muss er durch")

Den Hund dem Maximum des Angstauslösers auszusetzen, in der Hoffnung, dass er "lernt, damit umzugehen", ist einer der schädlichsten Ansätze. Neurobiologisch entsteht dabei nicht Gewöhnung, sondern erlernte Hilflosigkeit – ein Zustand, in dem der Hund aufgehört hat zu reagieren, weil jede Reaktion wirkungslos war. Das Trauma wird verstärkt, das Vertrauen dauerhaft beschädigt.

 

Bestrafung von Angstverhalten

Knurren, Zähnezeigen oder Rückzug zu bestrafen, entfernt das Warnsignal – nicht die Angst. Der Hund lernt: Warnen ist gefährlich. Das Ergebnis sind Tiere, die ohne Vorwarnung eskalieren. Gleichzeitig erhöht jede Strafe den Cortisolspiegel und verstärkt damit neurobiologisch genau den Zustand, den man überwinden möchte.

 

Zu schnelle Trainingsschritte

Wenn der Hund in einer Trainingseinheit Angst zeigt, wurde die Reizschwelle überschritten. Jeder Schritt oberhalb der Schwelle ist kein "Training", sondern ein weiteres Angsterlebnis. Die häufigste Ursache für scheiternde Desensibilisierungen ist schlicht zu viel Tempo.

 

Gehorsamkeitstraining als Lösung

"Sitz" auf Kommando überdeckt Angst kurzfristig – sie löst sie nicht. Ein Hund, der auf Kommando funktioniert, aber emotional nicht stabilisiert wird, entwickelt weiterhin Angst. Die emotionale Grundlage muss verändert werden, nicht nur das sichtbare Verhalten.

 

Ignorieren von Stresssignalen

Frühe Signale wie Gähnen, Lecken oder Wegsehen zu übergehen, nimmt dem Hund die Möglichkeit der Kommunikation. Der nächste Schritt in der Eskalationsleiter folgt zwangsläufig. Wer die leisen Signale ernst nimmt, verhindert, dass der Hund lautere Mittel einsetzen muss.

8. Verbreitete Mythen – und was wirklich stimmt

"Trösten verstärkt die Angst"

Dieser Satz ist in dieser Form zu pauschal. Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern wie man reagiert. Aufgeregte, mitleidige oder nervöse Zuwendung kann über Stimmungsübertragung die Angst verstärken – der Hund liest die Besorgnis des Menschen als Bestätigung der Gefahr. Ruhige, gelassene Nähe hingegen wirkt über das Oxytocinsystem beruhigend und senkt Cortisol. Die Qualität der Reaktion ist entscheidend, nicht das bloße "Eingehen" auf den Hund.

 

"Das wächst sich raus"

Ohne gezielte Intervention werden Angststörungen in der Regel nicht besser – sie verstärken sich. Mit jedem Angsterlebnis festigt die Amygdala die bestehenden Reaktionsmuster. Frühzeitiges Handeln ist fast immer leichter und effektiver als das Warten auf eine Besserung, die ohne Unterstützung selten eintritt.

 

"Der Hund ist dominant / will mich testen"

Die Dominanztheorie als Erklärungsmodell für Angst und Aggression ist wissenschaftlich längst überholt. Ängstliches oder aggressives Verhalten ist in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle Ausdruck von Unsicherheit, nicht von Machtstreben. Maßnahmen, die auf Unterordnung durch Druck setzen, erhöhen den Cortisolspiegel und verschlimmern das Problem.

 

"Ängstliche Hunde brauchen keine Konfrontation mit dem Auslöser"

Konsequente Vermeidung ohne begleitende Therapie führt zu Generalisierung: Die Angst weitet sich aus, die Auslöser werden mehr und die Reizschwelle sinkt weiter. Das Ziel ist nicht Konfrontation, aber auch nicht dauerhafte Vermeidung – sondern dosierte, positive Exposition im therapeutischen Rahmen.

 

"Angst ist ein Erziehungsproblem"

Angststörungen sind neurobiologische Zustände – sie entstehen nicht durch falsche Erziehung allein und lassen sich nicht durch härtere Konsequenz beheben. Sie erfordern ein therapeutisches Vorgehen, das die emotionale Grundlage verändert, nicht nur das äußere Verhalten.

Was bedeutet das für unsere Zusammenarbeit?

Wenn Sie mit einem ängstlichen Hund zu mir kommen, beginnen wir mit einem ausführlichen Gespräch über Vorgeschichte, Auslöser, bisherige Erfahrungen und Ihre eigenen Beobachtungen. Ich schaue mir Ihren Hund genau an – nicht um ihn zu bewerten, sondern um zu verstehen.

 

Auf dieser Grundlage entwickeln wir gemeinsam einen individuellen Plan, der Ihrem Hund als Individuum gerecht wird. Verhalten ist immer Ausdruck eines inneren Zustands – meine Arbeit gilt diesem Zustand, nicht nur dem, was man von außen sieht.

Mein Ansatz

 

Training bedeutet für mich: Anpassung von Umwelt und Lernprozessen. Hunde, die sich sicher fühlen, lernen. Hunde, die Vertrauen haben, entspannen. Und Hunde, die verstanden werden, brauchen selten lautere Mittel.

Bei Fragen oder wenn Sie Unterstützung für Ihren Hund suchen, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Weiterführende Informationen zum Thema Angst beim Hund finden Sie auf den entsprechenden Seiten meiner Website:

Weiterführende Links:

Ein sehr guter Artikel von Tierarzt Dr. Rückert, zur richtigen, medikamentösen Behandlung der Silvesterangs bei Hunden und der Empfehlung eines guten Hausmittels:

https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=21116

Was tun bei Silvesterangst? Dieser Tierarzt hat hilfreiche Ratschläge:

https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=20543

Körpe­rsprache des Hundes bei Angst - drsop­hiayin.com

drsophiayin.com/app/uploads/2013/02/SYBodyLanguagePosterDownloadablegerman.pdf

Wie ängstliche Hunde Situationen empfinden:

http://www.hunterbunt.de/der-angstliche-hund/

Video:

11 Stresssignale der Hunde

https://youtu.be/ptgqVgtFEI4

Video über Signale von Angsthunden und richtigem Umgang:

https://youtu.be/Fq1LdD4MJnk

Erlernte Hilflosigkeit:
Teil 1: http://friendshipfordogs.wordpress.com/2013/09/01/erlernte-hilflosigkeit%E2%80%AC-teil-1/

Teil 2: http://friendshipfordogs.com/2013/11/05/erlernte-hilflosigkeit%E2%80%AC-teil-2/

 
Hier ein Beispiel für extreme "erlernte Hilflosigkeit" bei einem Hund in einer Zirkusnummer mit Loriot. Der Hund ist so eingeschüchtert und verängstigt, das er in einem Zustand des eingefroren seins (Freezing) alles über sich ergehen lässt. Besonders pervers, weil die Zuschauer und der Star der sich für die Nummer hergibt, die Qual und Mißhandlung nicht erkennen und das ganze auch noch für witzig halten:
https://www.youtube.com/watch?v=dPcZJsDmqCY

Ich vermute hier wurde mit Elektoschocks gearbeitet. Loriot hat die Nummer einfach nur übernommen und die vorige "Ausbildung" des Hundes nicht mitbekommen, er dachte wohl der Hund wäre von sich aus so.
 
Leider ist auch dies hier gar nicht lustig. Auch ein Video mit einer extremen Form der  "Elernten Hilflosigkeit", dieser Hund hat Todesangst, ohne das seine Menschen es merken:
https://www.youtube.com/watch?v=761sw1pcxIo

 

Suchhundetraining ist auch eine Möglichkeit Hunde aufzubauen.

Silvesterangst, gute Ratschläge zu Vorbeugung und Therapie:
http://www.sitzplatzfuss.com/entspanntes-silvester/

Die Körpersprache der Furcht, wenn diese Signale des Hundes nicht beachtet werden, kann es zu Abwehrreaktionen (Bisse) kommen.

Die meisten aggressiven Verhaltensweisen beim Hund entstehen aus Angst:
https://www.youtube.com/watch?v=Fq1LdD4MJnk
https://www.youtube.com/watch?v=RmVztpNiOCw

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Externe Links

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Quelle: JuraForum.de-Disclaimer | Online PR mit connektar.de